Die 26 Shotokan-Kata im Überblick:


Heian Shodan

"Ruhe und Frieden", erste Stufe, die erste von insgesamt fünf Kata namens Heian (Aussprache 'hee-an'.)

Heian Nidan
"Ruhe und Frieden", zweite Stufe, die zweite der Heian-Katas. 

Heian Sandan
"Ruhe und Frieden", dritte Stufe

Heian Yondan
"Ruhe und Frieden", vierte Stufe

Heian Godan
"Ruhe und Frieden", fünfte Stufe

Tekki Shodan
"Eiserner Reiter", erste Stufe

Tekki Nidan
"Eiserner Reiter", zweite Stufe

Tekki Sandan
"Eiserner Reiter", dritte Stufe

Bassai-dai
Eine der ältesten Kata. Bassai heißt übersetzt "die Mauer zerstören" oder "Erstürme die Festung". Dementsprechend kraftvoll soll auch die Kata vorgeführt werden. Sie lässt sich auf die okinawanischen Tōde-Katas zurückführen. Man geht davon aus, dass sie in ihrer Urform bereits im späten 13. Jahrhundert durch chinesische Meister gelehrt wurde und in Folge der Handelsbeziehungen nach Okinawa kam. Heute ist nicht mehr feststellbar, wie weit die heutige Bassai Dai noch ihrem alten Ursprung entspricht.
Bassai Dai gehört zur Gruppe der Shorin-Kata, deren Trainingszweck es ist, die Schnelligkeit des Karateka zu verbessern. Hauptmerkmal der Kata ist, dass die einzelnen Techniken sehr schnell und kraftvoll ausgeübt werden. Sie enthält viele defensive Block- und Hebeltechniken und vergleichsweise wenige Beintechniken. Mit rund 40 Einzeltechniken ist Bassai Dai eine der längeren Katas. Trotzdem ist sie eine der Katas, die sowohl im Dōjō als auch auf Wettkämpfen sehr häufig ausgeführt werden.
Im Shotokan-Stil werden zwei Varianten der Bassai geübt: die Bassai-dai und die Bassai-sho. Das Suffix "dai" bedeutet "groß" und kennzeichnet somit die große Variante der Bassai, während das Suffix "sho" "klein" bedeutet und eine kleinere Variante der Bassai bezeichnet. Bemerkenswert zur Bassai-sho ist eine Entwaffnungstechnik gegen einen vertikalen Stockangriff, denn Entwaffnungstechniken kommen nicht in jeder Kata vor. Es sind folgende Varianten bekannt, die in verschiedenen Karate-Stilrichtungen gelehrt und in der Regel nach ihren Meistern benannt werden.

Kanku-dai
"Himmelsschau - groß", die längste und eine der wichtigsten Kata des Shotokan-Karate. Meister Itosu entwickelte die ursprüngliche Kata Kūsankū weiter und es entstanden drei weitere Formen dieser Kata:
Kūsankū-dai -- Kanku-dai
Kūsankū-Shō -- Kanku-shō
Shio-Kūsankū

Von Kūsankū als Grundkata leitete er weiterhin die fünf heutigen Pinan beziehungsweise Heian Kata ab.

Empi
Sappushi Wanshu kam 1683 als einer der ersten Chinesen nach Okinawa (Tomari). Er lehrte eine Karate-Kata, die nach seinem Namen benannt wurde (Wanshu). Es wird davon ausgegangen, dass der Tode-Meister Sanaeda für dessen Verbreitung auf Okinawa sorgte. Der ursprüngliche chinesische Name war Kuan Yin Yang Pao Lit. Die alte Wanshu existierte nur in der Tomari-Gegend. Diese Tatsache wird auch durch Gichin Funakoshi in seinem ersten Buch Ryu Kyu Kempo Karate bestätigt. Durch die Matsumura- und Itosu-Schule (Shuri) gelangte die Kata in den Shotokan-Zweig.
Empi bedeutet "Flug der Schwalbe" und war eine Namensgebung von Funakoshi Sensei in den 1930er Jahren, als er alle chinesischen Kanji aus politischen Gründen änderte. Der Name bezieht sich auf das Embusen (Schrittdiagramm), da hier sehr viele abrupte Richtungswechsel mit einer ständigen Hüftverlagerung gefordert sind. Hier drängt sich der Vergleich mit einer Schwalbe auf, die ihre Flughöhe und Richtung im Flug schlagartig und permanent ändert. Dieses mühelos erscheinende Flugverhalten soll als Beispiel für die Ausübung der Kata dienen.

Jion
"Liebe und Güte". Sie gehört aufgrund die Silbe "Ji" zur selben Gruppe wie Jiin und Jitte.
Die Kata hat ihren Ursprung in China und wurde von der Tomari-Region auf Okinawa ausgehend verbreitet. Man verbindet sie mit den Künsten des Shaolin, weil die zweite Bereitschaftsstellung der Jion identisch mit dem Gruß der Shaolin ist. Die Bezeichnung der Jion ist gleich der Shaolin, daher vermutet man, dass diese Kata ihren Ursprung dort haben könnte. Diese typische Shotokan Kata hat Meister Gusukuma (den Meister von Azato) als Schöpfer. Sie ist eine der höheren Grundkata von mittlerer Schwierigkeit, muss zum 1. Dan beherrscht werden und besteht aus 46 Bewegungen.
Lernziel sind ruhige Bewegungen, die in ihrer Sanftheit Buddha entsprechen, aber im Inneren voll von geistiger Energie sind sowie elegant auch in Wendung und Wechsel. Ihre Übung vermittelt Harmonie in der Bewegung, das Gleichgewicht des Geistes und führt zu einem direkten, wirkungsvollen Kampfstil. Typisch sind Yori Ashi und Drehung (Manji uke) mit Folgeabwehr in oberer, mittlerer und unterer Stufe. Sie sollte in einer Zeit von zirka 60 Sekunden ausgeführt werden.

Hangetsu
"Halbmond", bestehend aus 41 Einzeltechniken. Sie wurde aus dem okinawanischen Naha-Te übernommen, wo sie - aus China stammend - unter dem sino-japanischen Namen Seisan aus China stammend praktiziert wurde. Den Namen Hangetsu erhielt sie von dem Stilrichtungsbegründer Funakoshi Gichin, der mit dem Namen auf die gleichnamige Stellung der Füße hinweist, der in der Kata eine zentrale Rolle zukommt. Dabei werden die Füße circa 45 Grad nach innen gedreht und die Knie bei gleichzeitiger Außenspannung der Beinmuskulatur leicht nach innen gekippt. In dieser Schrittstellung Hangetsu-dachi (Halbmondstand) bewegt man sich vorwärts, indem ein Fuß eine halbmondförmige Bewegung beschreibt. Eine mit Hangetsu vergleichbare Kata wird unter dem ursprünglichen chinesischen Namen Seisan in den Stilen Wado-Ryu und Shito-Ryu gelehrt.

Jitte
Jitte oder auch Jutte bedeutet "Zehn Hände" wird geübt in den Stilen Shōtōkan und Shōtōkai, welche beide auf Funakoshi Gichin zurückzuführen sind. Der Begriff Jitte bezeichnet außerdem eine japanische Variante des Sai, einer gabelförmigen aus China stammenden Waffe, die zum Bereich des aus Okinawa stammenden Kobudō zählt. Jitte wird auch im Bujinkan Budo verwendet.

Gankaku
"Kranich auf dem Felsen" oder älter Chintō. Gelehrt wird sie unter dem Namen Gankaku im Shōtōkan-Stil, während die Stile Shōrin-, Wadō- und Shitōryū die ursprüngliche Bezeichnung Chintō beibehalten haben.

Bassai-shô
Bassai Dai gilt im Karate als eine der ältesten Kata. Bassai heißt übersetzt "die Mauer zerstören" oder "Erstürme die Festung". Im Shotokan-Stil werden zwei Varianten der Bassai geübt: die Bassai-dai und die Bassai-sho. Das Suffix "dai" bedeutet "groß", und kennzeichnet somit die große Variante der Bassai, während das Suffix "sho" "klein" bedeutet und eine kleinere Variante der Bassai bezeichnen will. Bemerkenswert zur Bassai-sho ist eine Entwaffnungstechnik gegen einen vertikalen Stockangriff, denn Entwaffnungstechniken kommen nicht in jeder Kata vor. 

Kanku-shô
"Himelsschau klein"; Meister Itosu entwickelte die ursprüngliche Kata Kūsankū weiter und es entstanden drei weitere Formen dieser Kata:
Kūsankū-dai -- Kanku-dai
Kūsankū-Shō -- Kanku-shō
Shio-Kūsankū

Von Kūsankū als Grundkata leitete er weiterhin die fünf heutigen Pinan beziehungsweise Heian Kata ab.

Ji'in
"Liebe und Schatten, Mitgefühl und Unterstützung", auch transskribiert als Jiin. Häufig wird sie auch als vergessene Kata bezeichnet: Obwohl sie zum Kanon der 26 Shōtōkan Kata gehört, wird sie heute nur selten in Wettkämpfen gezeigt und immer seltener gelehrt.

Sochin

"Stärke und Ruhe" oder (seltener) "Krieg und Frieden". Der Name impliziert bereits die ruhigen und kraftvoll dynamischen Techniken. Die Kata entstammt ursprünglich der Aragaki-Schule (Naha-Te), wurde jedoch im Laufe der Zeit oft geändert, so dass es heute verschiedene Versionen gibt. In der Aragaki-Version der Sochin werden die Bewegungen meist aus der Stellung Sanchin-Dachi heraus ausgeführt.
Die Shotokan-Version der Sochin wurde in der Mitte des 20. Jahrhunderts von Yoshitaka Funakoshi entwickelt und hat mit der Aragaki-Sochin nicht mehr viel gemeinsam. Der Stand ist hier meistens Sochin-Dachi (gelegentlich auch als Fudo-Dachi bezeichnet), eine Kraftstellung zwischen Zenkusu-Dachi und Kiba Dachi. Die Shotokan-Variante der Sochin ist sehr expressiv für typische Shotokan-Prinzipien.
Besonders der Mittelteil der Kata (Mikazuki-Geri Jodan aus der Drehbewegung) erfordert ein sehr gutes Gleichgewichtsgefühl. Durch die allgemein sehr tiefen und kraftvollen Stellungen wirkt Sochin sehr stark und trainiert besonders die Beinmuskulatur.
Der Legende nach soll die Kata Sochin auch "Die Kata des Alten Mannes" sein: Ein alter Mann lud einst Funakoshi Gichin ein, doch Meister Funakoshi war zu der Zeit beschäftigt, also schickte er seinen Sohn Yoshitaka nach Okinawa. Der alte Mann war hocherfreut über seinen Besuch, verschloss Türen und Fensterläden, sodass niemand von außen in sein Haus hineinsehen konnte. Nachdem der alte Mann Yoshitaka die Kata gelehrt hatte, sagte er: "Jetzt kann ich in Frieden sterben".

Meikyô
"klarer Spiegel", der ursprüngliche Name der Meikyo war Rohai; unter diesem Namen wird die ältere Variante der Kata heute noch im Wado-Ryū geübt.

Chinte
"seltene Hand", wird geübt in den Stilen Shōtōkan, Shōtōkai und auch im Shitō-ryū sowie Shōrin-ryū.

Nijûshihô
"24 Schritte", auch Niseshi, wird im Shōtōkan und Shitō-Ryū praktiziert. Nijūshiho ist eine Kata der Niigaki-Schule, deren Ursprünge im chinesischen Baihequan (Weißer-Kranich-Stil) liegen. Sie wurde vom Kampfkunstmeister Aragaki Seisho, der in seiner Funktion als Übersetzer für Chinesische Sprache des Ryukyu-Hofes oft nach China reiste, nach Okinawa gebracht. Diese anspruchsvolle Kata ist vor allem durch fließende Bewegungen und ein ungewöhnliches Schrittmuster geprägt.

Wankan
die ""Königskrone" wurde von Yoshitaka Funakoshi ins Shotokan-Karate eingeführt und ist mit 16 Bewegungen die kürzeste Kata dieser Stilrichtung. Ihr Ursprung liegt im Tomari-Te (Shō rei-Schule), einem Vorläufer des modernen Karate aus dem 19. Jahrhundert. Gichin Funakoshi nannte sie Matsukaze ("Pinienwind") sowie Hito ("fliegende Wolke"). In dieser Kata wird nur ein Kiai gesetzt. Als besondere oder königliche Technik gilt Koku Uke ("Tigermaulabwehr"), die in einem Kniehebelwurf endet. Wankan wird im Shōrin-ryū, Shotokai, Shotokan, und Matsubayashi-Ryū geübt.

Gojushiho-dai
"Große Kata der 54 Schritte" ist, wie ihr "kleiner" Verwandter, die Gojūshiho Shō, eine fortgeschrittene Meisterkata des Karate. Sie ist noch etwas anspruchsvoller als die kleine Variante, denn sie enthält neben den schon komplizierten Techniken der Shō weitere Techniken, wie zum Beispiel Keito-Uke und Washite Otoshi Uchi, die mit der offenen Hand ausgeführt werden und deswegen eine sehr große Spannung benötigen, um ihre gesamte Wirkung zu entfalten. Bevor Funakoshi sie umbenannte, hieß sie Hotaku ("Spechtklopfen"), da die Bewegungen den Klopfbewegungen eines Spechtes ähneln.
Die Gojūshiho Dai belastet und trainiert mit dem Stand Nekoashi-dachi ("Katzenfußstellung") besonders das linke Bein, im Gegensatz zur Gojūshiho Shō.

Gojushiho-shô
"Kleine Kata der 54 Schritte", eine fortgeschrittene Meisterkata des Karate. 


Unsu
Die "Wolkenhand" wird sie sowohl in der Stilrichtung Shōtōkan, als auch im Shitō- und Shōrei-ryū, wobei im Shitō-ryū die meist die Bezeichnung Unshu verwendet wird. In der auf Funakoshi Gichin zurückgehenden Stilrichtung Shōtōkan ist Unsu die höchstentwickelte Kata. Ihren Weg in diese Stile fand die Kata über Mabuni Kenwa, einen Freund Funakoshis, der ihn die Variante seines Shitō-ryū lehrte. Die Kata wurde dann von Funakoshi an seinen Stil angepasst und gilt seitdem, obwohl sie mit 90 Sekunden Dauer nicht die längste Kata dieser Stile ist, als die schwierigste. Diese "Einstufung" ist unter anderem dem 360°-Sprung mit eingebauten Mikazuki tobi geri (Halbmondtritt im Sprung) und Ushiro tobi geri (Tritt im Sprung nach hinten) vor der Landung zu verdanken, jedoch auch den anderen Feinheiten der 68 Techniken.
Normalerweise darf diese Kata ausschließlich von Meistern (Dan-Trägern) oder angehenden Dan-Trägern(Braungurt; 3-1 Kyu) trainiert werden.

 

Quellen: Wikipedia

              Schlatt, Enzyklopädie des Shotokan-Karate