Vom 9. bis zum 12. Mai 2013 fand in Tauberbischofsheim der weltgrößte Karatelehrgang statt: das Kata-Spezial. Von dem Cheftrainer des Karatevereins in Tauberbischofsheim und Hauptorganisator Schlatt wollten wir erfahren, wie eine solche Großveranstaltung organisiert wird und wer dafür verantwortlich ist.

Larissa Benz (L) im Gespräch mit Erhard „Schlatt“ Götzelmann (S) am 11.05.13 in Tauberbischofsheim.

 

L: Du bist ja der Hauptorganisator des Kata-Spezial 2013. Wie lange dauert denn die Vorbereitung für so ein großes Event?

S: Der Gasshuku e.V. hat mir vor 3 Jahren die Ausrichtung des Kataspezial angeboten. Als ich daraufhin die Stadtverwaltung gefragt habe, hat sie sofort zugestimmt.

L: Für Dich war also sofort klar, dass du diesen Lehrgang auf die Beine stellen würdest?

S: Genau. Außerdem feiert der der Sportverein TSV Tauberbischofsheim e.V., zu dem unsere Karate-Abteilung gehört, genau in diesem Jahr sein 150-jähriges Jubiläum.

L: Das ist ja ein guter Anlass. Hast du daraufhin sofort mit der Organisation angefangen?

S: Vor eineinhalb Jahren habe ich ein kleines Organisationsteam von 6 Leuten zusammengestellt. Dann habe ich mich intensiv bei anderen Gasshuku-Organisatoren erkundigt, wie viel Verpflegung wir zum Beispiel brauchen. Erst einmal habe ich mir also Tipps geholt.

L: Und wie ging es dann weiter?

S: Vor einem Jahr ca. haben wir dann das Team auf acht Leute erweitert und geklärt, wer für welchen Bereich zuständig ist.

L: Acht Personen sind aber wenig für so eine große Veranstaltung?

S: Ja, aber jeder hatte dann eine verantwortungsvolle Aufgabe. Der eine kümmert sich um die Getränke und ein anderer zum Beispiel um die Hallen, die Übernachtungen, die Werbung, die Beschriftungen zum Lehrgang etc.

L: Wann kam es dann zur Umsetzung und zum Aufbau der Verkaufs- und Infostände für die Teilnehmer?

S: Am Sonntag, also ca. eine Woche vor Trainingsbeginn, wurde alles aufgebaut, und das Bier wurde angeliefert. Es hat richtig Spaß gemacht, nicht mehr nur auf dem Papier zu planen, sondern endlich anpacken zu können.

L: Und wie viel Zeit planst du in etwa für die Nachbereitung ein?

S: Dafür brauchen wir bestimmt auch noch eine ganze Woche.

L: Ist es eigentlich das erste Mal, dass du so ein großes Event organisierst?S: Nun, ich habe erst einmal die Deutsche Jugend- und Kindermeisterschaft organisiert. Das lief ungefähr in demselben Stil ab, denn wir haben auch in der Festhalle, der Grünewald- und der Wörthalle trainiert.

L: Für eine Premiere hast du aber alles super organisiert!

S: Das war aber ja nicht nur ich alleine.

L: Wie viele Helfer hattest du eigentlich?

S: Insgesamt waren mindestens 120 Leute im Einsatz, die auf 350 Schichten aufgeteilt wurden.

L: Gab es eigentlich auch irgendwelche Hindernisse in der Umsetzung?

S: Hindernisse gab es keine. Einmal mussten wir nur sehr schnell umorganisieren, als einer Helferin die Galle plötzlich entfernt wurde. Dann brauchten wir natürlich rasend schnell einen neuen Helfer. Aber diese kleinen Situationen müssen immer überbrückt werden. Ansonsten gab es keine Hindernisse, was ich auch meiner guten Mannschaft zu verdanken habe.

L: Das Kata-Spezial ist ja der weltgrößte Karatelehrgang seiner Art. Wie viele Teilnehmer gibt es denn ungefähr hier in Tauberbischofsheim?

S: Über 1000 Leute aus aller Welt. Und mindestens genauso viele Begleitpersonen.

L: Ja, ich habe schon gelesen, dass auch Besucher aus Japan und Frankreich dabei sind. Sind noch mehr Teilnehmer mit dem Flugzeug angereist?

S: Ja, wir haben Karatekas aus Hamburg, Bremen, der Nordseeinsel Föhr und Köln. Manche kommen aber auch aus Island, Irland, Belgien, Florida und sogar zwei aus Südafrika.

L: Die sind ja richtig weit gereist.

S: Da hast du Recht. Oft verbinden sie es dann ja auch mit Urlaub.

L: Im Tourismusbüro habe ich nachgefragt und gehört, dass alle Hotels und Pensionen sogar bis zum Ort Bad-Mergentheim ausgebucht sind. Musstet Ihr auch Karatekas wieder nach Hause schicken?

S: Nein, zum Glück nicht. Der Rektor des Matthias-Grünewald-Gymnasiums lässt die Karatekas in den Klassenzimmern übernachten. Außerdem gibt es noch einen Campingplatz.

L: Welches Feedback erhältst du generell als Hauptorganisator?

S: Es gab nur super Feedback. Fast alle Gäste sagen sogar, dass es der beste Lehrgang dieser Art war.

L: Unser Bundestrainer Shihan Hideo Ochi fällt jetzt wegen einer Hüft-OP für längere Zeit aus. Wann wird er das Training wieder leiten können?

S: Er ist ja wirklich erstaunlich schnell wieder unterwegs. Leider muss er sich noch die andere Hüfte neu machen lassen. Er wird also erst ab November wieder trainieren.

L: Apropos, wie viele Senseis sind insgesamt hier in Tauberbischofsheim?

S: Es sind sechs Trainer, wobei manche noch einen Dolmetscher dabei haben.

L: Zum Schluss noch eine persönliche Frage: heißt du wirklich „Schlatt“?

S: Ja, ich heiße wirklich so. Es steht sogar in meinem Pass.

L: Und was ist dann mit Erhard Götzelmann?

S: Das ist mein Geburtsname. Würdest du mich aber so rufen, würde ich mich gar nicht angesprochen fühlen.

L: Vielen Dank, dass Du Dir Zeit für das Gespräch genommen hast.

S: Immer wieder gern. Und noch viel Spaß.

 

 

Larissa Benz im Gespräch mit Schlatt